15. Juli 2026 · Jenny Wild
Unsere Pferde-Kuh-Wanderung - Eine Reise mit Markus, Emmi, Amy und Micky

Eine Reise, die uns bis heute begleitet

Manche Erlebnisse geraten mit der Zeit in Vergessenheit.
Andere begleiten uns ein Leben lang.
Vor einigen Jahren durften wir unseren Freund Markus für drei Tage auf einer außergewöhnlichen Reise begleiten. Gemeinsam mit seiner Kuh Emmi waren wir mit unseren Pferden Amy und Micky unterwegs – zu Fuß, über Feldwege, durch kleine Dörfer und vorbei an unzähligen Menschen, die uns mit einer Herzlichkeit begegneten, die uns bis heute tief berührt.
Eigentlich erzählen die folgenden Zeilen von einer Wanderung.
Doch wenn wir heute daran zurückdenken, geht es um viel mehr.
Es geht um Vertrauen.
Um Freundschaft.
Um Mut, seinen eigenen Weg zu gehen.
Und um die Erkenntnis, dass die Sprache der Tiere Menschen auf eine ganz besondere Weise miteinander verbinden kann.
Beim erneuten Lesen dieses Artikels ist uns bewusst geworden, wie aktuell seine Botschaft noch immer ist. Deshalb möchten wir diese Geschichte heute mit euch teilen.
Wir wünschen euch viel Freude beim Lesen.
Unsere Kuh- und Pferdewanderung

Die spontansten Ideen und Entscheidungen sind ja immer die Besten, genau das haben wir jetzt auch wieder feststellen dürfen: Im Februar diesen Jahres haben wir Markus Holzmann kennen gelernt. Der 19-jährige Bayer war auf einem unserer Kurse zu Besuch, allerdings gar nicht wegen uns, sondern weil die Kursorganisatorin Tina Meier von Equimero ihn gerade zu Gast hatte. Markus ist der erste Equimero-Kuh-Botschafter, da für seine Kuh Emmi ein spezieller Equizaum hergestellt wurde.
Wir haben uns auf Anhieb prima mit Markus verstanden und waren total interessiert an seiner Idee, mit seiner Kuh von Bayern aus in den Norden zu wandern. Wanderreiten ist für uns seit einiger Zeit ein größeres Thema und wir haben irgendwann den Plan mit unserer gesamten Herde von Kurs zu Kurs zu wandern. Seit Ende Mai 2019 war Markus mit seiner Kuh Emmi unterwegs von Füssen im Allgäu nach Edemissen in Niedersachsen, wo Equimero ihren Firmensitz haben.

Da wir tatsächlich ein Wochenende frei hatten, haben wir uns kurzerhand mit unserem Transporter und zwei unserer Pferde - Amy und Micky - auf den Weg gemacht, Markus und Emmi zu treffen und für drei Tage zu begleiten. Zu diesem Zeitpunkt waren die beiden tatsächlich schon 500 km unterwegs. Markus und Emmi warteten an einem Stall in Badenhausen auf uns. Die Stallbesitzer waren sehr nett und wir durften unsere Pferde direkt in einem kleinen Auslauf neben Emmis Bereich unterstellen. Dies gefiel uns schon deshalb sehr gut, weil sich die drei so schon einmal ein wenig beschnuppern konnten, was Micky dann auch gleich tat!

Eine Kuh ist ja doch zunächst einmal etwas ganz anderes als ein Pferd! Die drei blieben aber erstaunlich ruhig. Wir hatten nicht damit gerechnet, dass besonders Amy keinen Stress mit dieser plötzlichen Nähe, ohne Ausweichmöglichkeiten, hatte. Es stellte tatsächlich überhaupt kein Problem dar. Vielleicht lag es auch an dieser vertrauensvollen Ruhe, die Emmi von der ersten Sekunde an ausstrahlte.
Wir hatten uns am 4. Juli morgens um 5.00 Uhr auf den Weg gemacht, um so früh wie möglich am Treffpunkt anzukommen. Für die 260 km haben wir dann aber doch fast vier Stunden benötigt, was allerdings nicht weiter schlimm war, weil wir sowieso noch nicht sofort losstarten konnten. Die Hofbesitzer hatten noch einen Pressetermin für Markus organisiert. So kam es, dass wir uns zunächst alle zusammen zum Frühstücken zusammensetzten, wozu wir freundlicherweise direkt eingeladen wurden. Und so ein Frühstück auf dem Bauernhof ist schon besonders lecker!

Markus hatte uns gebeten für Emmi einen kürzeren Westernsattelgurt mitzubringen, da sie doch einiges an Gewicht verloren hatte auf den letzten 500 km. Sie sah toll aus: Voll durchtrainiert und perfekt proportioniert. Markus versuchte den Sattelgurt in die Fellhülle zu stecken, was sich aber als schwierig gestaltete, da der Gurt sehr breit und die Hülle sehr eng war. Bei dem Versuch ihm zu helfen merkten wir gleich, dass wir offenbar auf einer Wellenlänge schwimmen, was unseren Humor angeht. Gemeinsam schafften wir es dann nach unzähligen Lachanfällen doch. Die hierbei entstandenen Bilder waren aber auch einfach zu komisch!
Nach zwei kleinen Interviews und Fotoshootings konnten wir dann die Pferde und Emmi bepacken und uns auf den ersten gemeinsamen Weg machen.

Emmi trug einen baumlosen Westernsattel mit speziellem Befestigungssystem für die Packtaschen. Für Micky hatte Peer ebenfalls einen Packsattel mitgebracht, welcher sich als perfekt für unsere Wanderung erwies. Ich hatte zunächst geplant zwischendurch auch zu reiten, habe mich dann aber zu Amys Wohl und aus Solidarität zu den anderen dazu entschieden, ebenfalls den ganzen Weg zu laufen. Trotzdem trug Amy unseren schönen Peer&Jenny-Westernsattel von Way Out West mit passendem Vorderzeug. Ich kam mir zwischendurch vor, wie ein wandernder Händler, weil ich einfach alles an meinem Sattel befestigte: Trinkflaschen, Seile, Halfter, Satteltaschen, Decken, meinen Hut, einfach alles, was noch unterzubringen war.
Von Anfang an war alles so, als hätten wir noch nie etwas anderes gemacht. Es fühlte sich super an und auch Micky und Amy trotteten gleich ganz entspannt mit uns mit. Für den ersten Tag hatte ich Amy den Equizaum angezogen. Ich wusste ja noch nicht genau, was auf uns zukam und da machte ich ihr lieber etwas an den Kopf. Außerdem wollte ich natürlich solidarisch mit Markus als Equimero-Kuh-Botschafter sein und natürlich auch, weil ich diesen besonderen Zaum selbst sehr liebe und die Farbe einfach perfekt zu Sattel und Vorderzeug passt!

Markus lief in der Regel maximal 8 bis 10 km pro Tag, um Emmi nicht zu überfordern. Ausnahmen bestätigen natürlich immer die Regel, denn manchmal geht es halt nicht anders. Abends überlegte er sich die Strecke für den nächsten Tag und schaute natürlich, dass er möglichst schöne Routen aussuchte. Bei unserer ersten Tour war alles dabei, was man sich auf einer Wanderung in fremder Umgebung so wünschen kann: Ortschaften, Straßen, aber auch Wege über Feld und Flur. Die Landschaft war wunderschön und man konnte teilweise schauen, soweit das Auge reichte, ohne auch nur ein Gebäude zu sehen. Das gefiel uns natürlich sehr. Der Harz ist einfach ein Traum.
Schon ganz am Anfang unserer Tour kamen wir durch einen Ort mit einem wunderschönen kleinen Bach. Sofort sprach uns ein Mann an, ob die Tiere vielleicht Durst hätten. Es war so nett, dass und vor allem wie unseren tierischen Begleitern Wasser angeboten wurde und so bejahten wir die Frage, woraufhin der Mann direkt mit zwei Eimern kam. Er schien das schon öfters gemacht zu haben: Der eine Eimer war mit einem langen, geflochtenen Band ausgestattet und so konnte der Mann von der Mauer aus den Eimer füllen und den Pferden sowie Emmi anbieten.

Sie waren dankbar und tranken mit Genuss. Es fühlte sich toll an, dass die Menschen sich Gedanken über das Wohlergehen der Pferde und der Kuh machten. Wir durchquerten das Dorf und kamen in ruhigere Gegenden. Ein Feldweg, kurz vor unserem ersten Etappenziel, stellte sich leider als Sackgasse heraus. Allerdings wollten wir es den Tieren nicht zumuten, noch einmal eine weitere Strecke zurück laufen zu müssen, sodass wir uns entschieden über einen Grünstreifen am Feldrand zu gehen.

Da der Bauer, der auf der Nachbarweide mähte, nicht meckerte, war unsere Entscheidung wohl in Ordnung. Kurz darauf kamen wir in einem ganz kleinen Ort an. Stauffenburg besteht lediglich aus elf Häusern, wie wir später erfuhren. So suchten wir uns direkt das schönste Gebäude aus und Peer fragte nach, ob es eine Übernachtungsmöglichkeit für uns gäbe. Die Frau, auf die er dort traf, erklärte, dass sie keine eigenen Wiesen besäßen und dass das Unterbringen der Pferde sowie der Kuh deshalb leider nicht möglich wäre. Wir zogen also ein Haus weiter und trafen dort aufden netten Bauern Gerold, der uns sofort einen Schlafplatz direkt neben einem Maisfeld anbot. Dies war perfekt für uns!

Peer und Markus bauten Paddocks für die Pferde sowie Emmi und wir richteten unser Lager direkt daneben ein. Es ist ein tolles Gefühl, die ganze Zeit mit seinen Tieren zu verbringen, sie zu sehen, zu hören, zu spüren. Als Emmi sich hinlegte um Wiederzukäuen fragte ich sie, ob es in Ordnung sei, wenn ich zu ihr komme. Sie hatte nichts dagegen und so hatte ich meine erste intensive Schmuseeinheit mit einer Kuh!
Emmi ist so liebevoll und genießt es zu kuscheln und gekratzt zu werden. Wir stellten ziemlich schnell fest, dass es gar nicht so viele Unterschiede gibt zwischen Kühen und Pferden, wie wir zu Anfang dachten. Das war eine schöne Erkenntnis.

Für Micky und Amy war unsere erste Wanderung wohl auch anstrengend und so legten sie sich kurzerhand auch erst einmal hin und ruhten sich aus. Sie hatten ja auch schon die Anhängerfahrt hinter sich gebracht und waren berechtigterweise müde. Es zeigte uns aber auch, dass sie sich an diesem Ort genauso wohl fühlten, wie wir.

500 km lang hatten Emmis Hufschuhe gut gehalten, aber jetzt machte einer Probleme. Wir mussten auf dem Weg öfters anhalten, damit Markus den Schuh richten konnte. Im Lager ging es dann ans Reparieren, was sich jedoch schwieriger gestaltete, als erhofft. Da die letzte Strecke sehr steinig war, hatte Markus den Plan, Emmi auch hinten Hufschuhe anzuziehen, welche ihm noch extra hergestellt und nachgeschickt worden waren. Wie ein Flip-Flop hatten sie eine extra Trennung für die Zehe. Da seine Kuh im Stehen die Hinterbeine nicht gibt, musste Markus sie hinlegen, um die Schuhe anzuziehen. Sie war nach ihrer Ruhepause natürlich irgendwann wieder aufgestanden und so zeigte Markus, der auch Zirkuslektionen mit seinen Kühen macht, wie er Emmi wieder hinlegen kann. Es war schon beeindruckend, wie er sie erst ins Kompliment, dann ins Knien und dann ins Liegen fragen konnte. Leider war Emmi überhaupt nicht begeistert, als sie die Schuhe an den Hinterklauen trug und schüttelte diese kurzerhand wieder ab. Mit einer Engelsgeduld zog Markus ihr die Schuhe wieder und wieder an, um ihr zu zeigen, dass es sich am Anfang vielleicht komisch anfühlt, dass es ihren Füßen aber durchaus guttut, wenn sie geschützt sind. Tatsächlich hat sie die Schuhe erst am dritten Tag unserer gemeinsamen Reise angelassen. Mitverantwortlich hierfür waren dann auch noch diverse Präparationsarbeiten, die den Halt der Schuhe unterstützten. Aber: Markus hat eindrücklich gezeigt, wie sehr sich Geduld auszahlen kann und Emmi war am Schluss dann doch sehr froh, dass ihre Füße geschützt waren.
Für unseren Abend im Lager fragte ich Gerald, ob er mir eventuell eine Flasche Wein verkaufen würde, da das nächste Geschäft nicht fußläufig erreichbar war, aber er hatte leider nichts im Haus. So ging ich los und dachte, ich versuche mein Glück bei einem der anderen 10 Häuser. Tatsächlich traf ich auch gleich einen offenen und hilfsbereiten jungen Mann, der zwar auch keinen Wein hatte, aber mich seiner Nachbarin vorstellte. Sie verkaufte mir zwar keinen Wein, aber schenkte mir gleich zwei Flaschen, das war unglaublich lieb! Es war wieder einmal so beeindruckend, wie nett, gastfreundlich und großzügig die Menschen sind.
Es stellte sich schnell heraus, dass es die gleiche Frau war, bei der Peer kurz zuvor um Herberge gebeten hatte, weshalb sie auch schon von uns und der Kuh wusste. Die kleine Tochter war natürlich ganz Ohr und so lud ich sie kurzerhand ein, uns, Emmi und die Pferde später zu besuchen. Sie war dann auch tatsächlich den ganzen Abend da und hat uns ein paar Spiele beigebracht, die den Abend sehr lustig gestalteten. Die erste Nacht unter freiem Himmel haben wir fantastisch geschlafen.

Morgens kochte Peer Kaffee und Porridge auf seinem Hobokocher und wir genossen unser typisches Outdoor-Frühstück.
Peer hat jetzt über mehrere Monate alles Mögliche und Notwendige für unseren Wanderreit- und Übernachtungsplan besorgt und auch mitgenommen. Ich war beeindruckt, an was er alles gedacht hat für uns und natürlich auch für die Pferde. Es war wirklich alles da, was wir brauchten und ich war stolz auf Peer!
Während unseres gesamten Lageraufenthaltes fiel mir auf, wie sehr Emmi an Markus hängt. Jedes Mal, wenn er aufstand und losging, um Wasser zu holen oder wegzubringen, verfolgte sie ihn mit Blicken. Wenn er versehentlich mal außer Sichtweise geriet, fing sie gleich aufgeregt an herumzulaufen und zu muhen. „Markus, wo bist du? Komm wieder zurück!“ - Die Erleichterung war dann immer unglaublich groß, wenn er nach wenigen Minuten wieder auftauchte. Immer begrüßte sie ihn mit einem erleichterten Muhen und schmiegte sich an ihn. Sie erinnerte schon fast an einen Hund und war unglaublich liebevoll. Diese enge
Bindung war wirklich beeindruckend! Diese Kuh liebt ihren Menschen aus vollem Herzen. Der gemeinsame Weg hat diese Beziehung ganz sicher noch untermauert.

Man muss aber auch sagen, dass Markus wirklich immer schaut, dass es Emmi gut geht. Sie steht immer im Vordergrund und die beiden sprechen pausenlos miteinander. Das ist so süß. Offenbar mochte sie uns aber auch und so durften wir ebenfalls viele Kuscheleinheiten mit ihr genießen.
Am nächsten Tag bepackten wir die Pferde und Emmi wieder und machten uns auf zu unserer zweiten Etappe. Direkt nach dem Start trafen wir Emmis Verwandte: Die Wiesen auf der rechten sowie linken Straßenseite waren voller schwarz-weißer Kühe, welche ziemlich aufgeregt waren, als sie uns sahen. Amy fand es zunächst auch sehr spannend, aber ich konnte sie ziemlich schnell beruhigen.

Es beeindruckte mich, wie sehr sie mir trotz der schwierigen Situation vertraute. Vor allem, weil sie am zweiten Tag kein Kopfstück mehr dran hatte, sondern „nur noch“ unsere – gemeinsam mit Arien Aguilar entwickelte - Halsringlonge. Kurz darauf folgte eine Autobahnbrücke, die wir überqueren mussten. Markus hatte uns schon erzählt, dass Emmi die Autos und LKWs, die unter ihr herbrausen, sehr unheimlich findet und so haben Micky und Amy die etwas angespannte Kuh einfach in die Mitte genommen und sie über die gefährliche Brücke geleitet. Es hat super funktioniert, man muss sich halt nur zu helfen wissen und unsere Pferde sind einfach Superhelfer!
Da es mit den Hufschuhen an Emmis Hinterfüßen nicht so gut geklappt hatte wie geplant, war unsere zweite Etappe nur etwa 6,5 km lang. Wir gingen ziemlich viel an der Straße entlang, weil sie hier bequem auf dem Grasstreifen laufen konnte, ohne fühlig sein zu müssen. Dadurch, dass wir direkt durch die Ortschaften und an der Straße entlanggingen, trafen wir natürlich viele Menschen und, was soll ich sagen? Jeder wusste von uns und hatte die Zeitungen gelesen, in denen über Markus und Emmi berichtet wurde. Sie riefen schon von Weitem: „Da ist der Junge mit der Kuh!“. Es war so nett, wie die Leute auf uns reagierten und uns mit Fragen löcherten. Wir haben eine Menge Freude verbreitet und Menschen zum Lächeln oder sogar zum Lachen gebracht. Das macht mich immer sehr glücklich.
Unsere letzte Strecke bis zu unserem Tagesziel führte uns an einer etwas größeren Straße entlang. Es war aber lustig, weil fast jeder uns zuwinkte und begrüßte, als ob er uns schon lange kennen würde. Was so ein paar Zeitungsartikel ausmachen ist einfach unglaublich. Aber das Bild mit Markus und Emmi auf Wanderschaft muss ja auch jeden mit Freude erfüllen. Eine Frau hielt extra mit dem Auto an und unterhielt sich ein wenig mit uns. Sie fragte, wo wir übernachten wollten und wir erklärten, dass wir uns im nächsten Dorf einen Platz suchen würden. Sie erklärte, dass sich mitten im Ort auf der linken Seite ein Hof befindet, wo auch Pferde gehalten werden, da sollten wir doch mal nachfragen.
Ich hoffte inständig, dass es im Ort ein Geschäft gibt, in dem ich die Zeitungen erwerben könnte. Wie es der Zufall wollte, gab es genau gegenüber von besagtem Hof einen Kiosk, welchen ich dann auch sofort aufsuchte. Mein erster Blick fiel auf einen Pferdepopo, direkt auf dem Titel einer Zeitung, der mir sehr bekannt vorkam. Gleich daneben erblickte ich Markus und Emmi: Unser Micky hatte es also auch mit aufs Cover geschafft. Natürlich kaufte ich gleich zwei Exemplare und noch eine weitere Zeitung, in welcher ebenfalls ein Artikel über Markus zu finden war. An der Kasse fragte ich die Kioskbesitzerin, ob sie denn den Artikel mit der Kuh gelesen hätte. Sie bejahte und sagte gleich, dass sie die Aktion ganz toll fände. Ich bat sie doch einmal den Kopf zu heben und geradeaus aus ihrer Tür zu schauen: Da stand nämlich unsere Prachtkuh direkt vor dem Kiosk. Die Frau war begeistert und kam gleich mit mir nach draußen. Hier stellte sie uns auch ihren Mann Peter vor, den wir zu diesem Zeitpunkt nicht zum letzten Mal gesehen haben sollten. Wir bedankten uns für die nette Begrüßung und gingen rüber zum Hof.
Das Haus befand sich im Umbau und war noch unbewohnt. Ich ging hinein und rief, aber es kam niemand. Auch Markus versuchte sein Glück, hatte aber ebenso wenig Erfolg. In diesem Moment kam Peter und fragte, ob er die Hofbesitzerin für uns holen sollte. Wir waren mehr als dankbar, als er zwei Minuten später mit ihr aus dem Gebäude kam. Sie hatte auch schon auf Facebook über uns gelesen und nahm uns direkt auf. Es war mal wieder so ein Schicksalsmoment, weil sie tatsächlich gerade nur zum Füttern am Stall war und danach direkt zum Dienst aufbrechen musste. Sie zeigte mir alles und wir bekamen eine große Koppel mit Unterstand und allem, was man sich nur wünschen kann, für unsere Tiere.
Wir durften unser Lager direkt auf der benachbarten Wiese aufschlagen, sodass wir wieder unmittelbar bei unseren Lieblingen schlafen konnten. Darüber hinaus gab es auch ein Reiterstübchen mit Küche, welches wir gerne benutzten.

Emmi, Amy und Micky standen schon nach dem ersten Tag zusammen auf dem großen Auslauf und wir waren begeistert, wie nett sie miteinander umgingen und harmonierten. Plötzlich erinnerte sich Micky aber wohl daran, dass er vor einigen Wochen auf einem Kurs gelernt hat, dass er Kühe bewegen kann und so begann er Emmi zu schicken, was auf der einen Seite natürlich eine super Idee, aber in dieser Konstellation eher ungünstig war. So entschieden wir uns dann doch schweren Herzens dazu, die Pferdchen und die Kuh wieder räumlich zu trennen. Schade, aber es hätte nichts genützt, wenn Emmi kurz vor dem Ziel noch getreten worden wäre.
Eva - so hieß die junge Frau - schlug vor, am Abend nach ihrer Schicht mit uns und ihrem Mann gemeinsam zu grillen. Wir hatten einen tollen gemeinsamen Abend miteinander und werden uns sicher einmal wiedersehen. Danke an dieser Stelle an Eva und Thomas für ihre unglaubliche Gastfreundschaft und das große Vertrauen, dass sie von der ersten Sekunde an in uns gehabt haben, das war wirklich etwas ganz Besonderes. Unsere lieben Kioskbesitzer versorgten uns mit Brötchen und Gebäck und sagten, dass wir am nächsten Morgen schon ab 4.00 Uhr zum Kaffee rüberkommen könnten. Das war so nett, dass wir tatsächlich auf das Angebot zurückkamen, allerdings nicht um 4.00 Uhr, sondern erst vier Stunden später. Wir denken, es wurde uns nachgesehen! Nachdem wir alles abgebaut hatten, starteten wir unsere letzte gemeinsame Etappe; aber nicht, ohne noch ein Gruppenfoto vor unserem neuen Lieblingskiosk mit ganz tollen Menschen gemacht zu haben, die sicher noch oft von uns erzählen werden.

Markus hatte viel Arbeit investiert, Emmi auch hinten die Hufschuhe anzulegen und so hielten sie am dritten Tag sogar die ganzen 12 km, die wir uns vorgenommen hatten. Weil wir den Tag davor nur eine verkürzte Strecke gegangen waren, einigten wir uns für diesen Tag auf eine etwas längere Etappe. Mit den ganzen Zusatzriemchen und Verbänden, die Markus benutzte, sah Emmi ein bisschen aus, wie ein Kriegsveteran. Die Hauptsache war aber, dass sie sicher und schmerzfrei laufen konnte.
Wir waren noch nicht lange unterwegs, als wir einem Mann begegneten, der gerade seine Hecke schnitt. Als er uns wahrnahm, konnte er sein Glück kaum fassen. „Kommt mit! Ihr müsst mitkommen!“, sagte er und so standen wir kurzer Hand auf dem Gelände seines Holzhandels. Er eilte schnellen Schrittes in Richtung Haus und rief: „Renate! Renate! Komm schnell! Du glaubst nicht, wer da ist!“. Wenige Sekunden später lernten wir Renate und ihren Sohn kennen, der uns gleich mit Wasser versorgte.
Die Menschen sind einfach nur nett und gastfreundlich, wie wir es schon zum wiederholten Male feststellen durften. Die große Frage, die sie sich schon beim Frühstück gestellt hatten: “Wie kann eine Kuh 600 km weit laufen, ohne sich die Füße kaputt zu machen?“, konnten sie sich bei Emmis Anblick dann selbst beantworten: Hufschuhe! Wo wir auch schon wieder beim Thema sind. Dass es so etwas gibt, konnten sie gar nicht fassen. Wir bedankten uns für das Interesse und die Gastfreundschaft und zogenweiter. Jetzt durchquerten wir den etwas größeren Ort Seesen, was ich sehr genoss. Markus und Emmi waren mittlerweile richtig prominent und es hat mich sehr gefreut, dass er so unglaublich großen Zuspruch für seine mutige Aktion erhalten hat. Wir führten eine Menge Gespräche und es wurden diverse Fotos von uns allen gemacht. Dass unsere Pferde so entspannt waren, beeindruckte die Menschen auch sehr und vor allem auch, dass Amy kein Kopfstück tragen musste. In einem Supermarkt besorgte Peer den Pferdchen ein paar Snacks und Micky hatte die große Ehre, die Möhren zu tragen. Nach ein paar Metern blieb er abrupt stehen und Peer wunderte sich, bis er sah, was geschehen war: Eine Möhre hatte sich gelöst und war direkt neben Micky zu Boden gefallen. Unser süßer Schelm bemerkte dies natürlich sofort und machte sich unverzüglich über dieses besondere Geschenk her. Er hatte es sich aber auch sowas von verdient!
Als wir einen schmalen Weg an einem Bach entlangliefen, wollten wir einem Fahrradfahrer Platz machen, der von hinten ankam, aber er rief gleich, dass wir bitte warten sollten, er wäre wegen uns da. Er hatte morgens, gemeinsam mit seiner Frau, die Artikel gelesen und wollte uns unbedingt kennenlernen. Als wir an seinem Haus vorbeiliefen, schnappte er sich kurzerhand seinen Fotoapparat, schwang sich auf sein Fahrrad und war ganz euphorisch mit uns sprechen zu können.

Nachdem er einige Fotos im Kasten hatte, gingen wir weiter und kamen an das schwierigste Hindernis auf unserem Weg: Wir mussten den Bach über eine schmale Holzbrücke überqueren, welche nur genauso breit war, wie Micky mit seinen Packtaschen. Auch wenn es sehr komisch für ihn war, dass er durch die Packtaschen so viel breiter ist, als er dachte, hat er es gut gemeistert. Ein bisschen schneller geworden ist er dann allerdings schon.
Emmis Taschen waren über dem Geländer, sodass sie den Engpass gar nicht als solchen wahrgenommen hat. Sie hat die Brücke völlig problemlos überquert und zeigte uns mal wieder, wie unglaublich mutig und souverän unsere Tiere doch sind. Am Ende des Weges kam unser netter Radfahrer noch einmal angebraust, bestellte uns einen lieben Gruß von seiner Frau und gab uns ein Beutelchen mit Kirschen und jedem von uns ein PickUp als Wegzehrung mit. Es ist einfach wundervoll, so herzlichen und liebevollen Menschen zu begegnen. Sorry, dass ich das immer wieder sage, aber es hat mich einfach jedes Mal von Neuem bewegt.
Wir hatten gesehen, dass auf unserem Weg einige kleine Seen lagen, an denen wir vorbeiwandern und unseren lieben Tieren eine größere Graspause gönnen wollten, da die heutige Strecke ja doch ein wenig länger war. Ein anderer netter Radfahrer erklärte uns den schönsten Weg dorthin und so liefen wir eine wunderschöne Strecke direkt am Bach entlang. Emmi und die Pferdchen stapften auch gleich hinein und tranken genüsslich.
Die Seen stellten sich leider als größere Forellenteiche heraus, in welchen wir uns und den Pferden keine Abkühlung erlauben konnten und durften - es war trotzdem ein wundervoller Ort. Wir entschieden uns, zunächst noch ein bisschen weiter zu laufen und kamen auf unendliche Weiten von Feldern und Wiesen.

Ab dem Moment, wo wir die Straßen verlassen hatten und am Bach entlangliefen, war Amy frei. Sie nahm sich immer die Zeit etwas zu grasen, kam aber immer sofort wieder angetrabt, wenn der Abstand zu groß wurde oder ich sie rief. Das war ein tolles Gefühl, genauso hatte ich es mir erträumt und Amy ging es ganz sicher genauso. Wir hatten eine unglaublich große Verbindung zueinander und ich konnte sie mit kleinsten Zeichen oder Worten bewegen und anhalten. Sie war mit Herz und Seele bei mir und es war eine absolute Selbstverständlichkeit, dass wir gemeinsam unseren Weg gingen. Oben auf dem Feld haben wir dann eine längere Rast gemacht und konnten Amy, Micky und Emmi am Wegesrand fressen lassen, während wir die Kirschen genossen. Als wir uns entschieden weiter zu gehen, konnte ich Amy weiterhin frei mitlaufen lassen. Sie hat teilweise gewartet bis wir etwa 15 Meter weiter waren, aber dann entschied sie sich doch immer wieder im Trab aufzuschließen. Natürlich war es hier relativ leicht, weil sie ja nicht einfach abhauen konnte - was für sie aber auch keinen Sinn gemacht hätte - trotzdem war es nicht selbstverständlich, wie gut sie auf mich achtete und auf mich hörte. Es war tatsächlich einfacher mit ihr zu kommunizieren, als wenn ich ein Seil in der Hand gehabt hätte.
Auf dem weiteren Weg durchquerten wir einen Reitstall - beziehungsweise führte uns der Weg zwischen den Koppeln der Pferde hindurch. Jeder Pferdemensch weiß, dass es kaum etwas Aufregenderes gibt, als andere Pferde. Natürlich war unser Auftreten noch einmal extra spannend mit den bepackten Tieren, wovon eins auch noch eine Kuh war, und die Pferde des Reitstalls flüchteten aufgeregt vor uns. Unser kleiner Tross blieb zum Glück total ruhig, was mich wieder unglaublich mit Stolz erfüllte. Plötzlich kam aber doch Unruhe in unsere kleine Herde: Auf der Wiese lebten nicht nur Pferde, sondern auch Herdenschutzhunde, die auf einmal mit lautem Gebell angerannt kamen. Die Koppeln waren zusätzlich mit Schafszaun ausgestattet, so dass die Hunde nicht herauskamen, aber die Energie, die sie ausstrahlten, war unglaublich. Amy war zunächst doch sehr unruhig durch die Hundebedrohung auf der einen Seite des Weges und den aufgeregten Pferden auf der anderen Seite, was ich sehr gut nachvollziehen konnte. Die Hunde bellten pausenlos und hätten sich am liebsten auf uns gestürzt; die Pferde galoppierten ständig an uns vorbei mit senkrecht aufgestellten Schweifen und prustenden Nüstern. Aber, was soll ich sagen: Ich konnte Amy beruhigen und Emmi und Micky ließen sich sowieso nicht besonders beeindrucken; was für ein riesiges Lob für uns und unsere Arbeit. Eine schlimmere Situation konnte ich mir kaum vorstellen und trotzdem vertrauten uns unsere Tiere, wow! Der Weg blieb weiterhin wunderschön und wir liefen wieder über riesige Wiesen und zwischen Feldern hindurch. Es war, als würden wir uns in einer anderen Zeit befinden. Man konnte kaum etwas sehen, was auf Menschen zurückschließen ließ. Einfach ein Traum.
Kurz vor Erreichen unseres Zieles im schönen Hahausen - einem Reiterhof, auf welchem Markus schon von Eva angekündigt worden war - sahen wir schon von Weitem, dass direkt neben der Straße eine größere Party gefeiert wurde. Markus war langsam etwas müde, immer wieder die gleichen Fragen beantworten zu müssen und so schlug Peer vor, dass wir schauten, möglichst schnell an der Veranstaltung vorbei zu laufen. Natürlich wurden wir aber schon aus der Ferne gesichtet und alle Gäste stürmten auf die Straße und umringten uns.

Es wurden Wassereimer für die Tiere und Bier für uns gebracht. Peer und ich führten schöne Gespräche und alle waren mehr als begeistert. Markus war wohl ganz froh, dass er gerade in diesem Moment einen Anruf erhielt. Das Lustigste war, dass die meisten Leute dachten, wir seien extra gebucht worden. Das 50-jährige Geburtstagskind hat sich in jedem Fall gefreut, auch wenn unsere Begegnung natürlich reiner Zufall war.
Jetzt war es nicht mehr weit bis zu unserem Ziel und wir machten uns auf die letzten Meter. Wir waren alle schon etwas wehmütig, weil wir uns nicht vorstellen konnten, dass diese unglaubliche Zeit schon zu Ende sein sollte. An dem Reitstall bekamen Amy, Micky und auch Emmi je eine Box im Stall.
Für Emmi war das sehr schwierig, weil sie es überhaupt nicht kennt in einer Box zu stehen. Markus durfte sich nicht einen Meter wegbewegen, sofort wurde sie ganz aufgeregt, riss die Augen auf und muhte verzweifelt nach ihm. Mit viel Einfühlungsvermögen, Ruhe und der notwendigen Zeit, die sie brauchte, konnte er sie zum Glück dann doch irgendwann beruhigen. So hatte Markus endlich mal das große Glück, in einem Zimmer mit Dusche übernachten zu können. Was für ein Luxus!
Eine Stunde nach unserer Ankunft holte uns ein guter Freund mit unserem Transporter ab und so endete ein ganz besonderes und viel zu kurzes Abenteuer für uns.
Markus erzählte uns am nächsten Tag, dass Emmi die ersten drei Kilometer alle paar Meter anhalten musste, sich umdrehte und schaute, wo denn der Rest ihrer neuen Herde sei. Sie konnte gar nicht verstehen, dass Micky und Amy auf einmal nicht mehr da waren. Aber zum Glück hat sie ja ihren Markus, der immer für sie da ist, wenn sie ihn braucht und ihr sicher mit vielen beruhigenden Worten erklärt hat, dass sie sich keine Sorgen machen muss und dass sie die letzten sechs Tage ihrer unglaublichen gemeinsamen Reise auch noch meistern werden.
Ich bin so stolz auf Markus, der mit seinen 19 Jahren zeigt, wie wertvoll es sein kann, sich zu trauen einen Weg zu gehen, der so viel Ungewissheit in sich trägt und so viel Mut bedarf, durch welchen man aber nur gewinnen kann, weil er einem beweist, wie viel Gutes doch in den Menschen steckt! Ich hoffe, er macht vielen anderen Jugendlichen Hoffnung, sich Ziele zu setzen und diese anzugehen. Vor allem hoffe ich aber, dass seine Botschaft bei jedem Menschen ankommt, nämlich, dass eine Kuh ein genauso toller Partner sein kann, wie ein Pferd oder ein Hund! Wir glauben es ihm auf jeden Fall aufs Wort. Danke Markus und Emmi, dass wir euch ein Stück begleiten durften!
Eure Jenny
